Vulkane, Märkte und Mayastätte

«Bis hierher und nicht weiter!» – stoppt uns der Guide und wir halten inne. Wir sind am Fuss des 2’552m hohen Vulkankegels Pacaya angelangt, vom Krater trennen uns noch rund 200 Höhenmeter. Weiter rauf geht es heute leider nicht. Die Länge der Wanderung ist jeweils abhängig von den vulkanischen Aktivitäten des Pacaya-Vulkans und dieser ist momentan etwas instabil. Sicher ist sicher, natürlich, dem stimme ich zu, auch wenn ich mit meinen Blicken etwas wehmütig den Fussspuren folge, welche zum Gipfel heraufführen. Nichtsdestotrotz eine tolle, abwechslungsreiche Wanderung durch Kaffeepflanzungen, Eichen- und Pinienwälder bis zum schwarzen Gestein der Lavafelder. Bei guter Sicht könne man bis zur Pazifikküste blicken, sagt unser Guide. Das ist bei uns nicht der Fall. Wir sind von Nebelschwaden umgeben, welche sich lichten und dann wieder dichter werden. An einigen Stellen kommt heisse Luft aus den Gesteinsplatten, bei Touristen sehr beliebte Stellen, um Marshmallows zu rösten. Wir sind heute aber alleine am Berg und geniessen die Stille und die mystische Stimmung.

Ausgangspunkt der Wanderung ist Guatemala City oder Antigua. Wir reisen von Antigua an, einer wunderschönen Kolonialstadt mit viel Charme, kopfsteingepflasterten Gassen und traumhafter Aussicht auf mehrere Vulkane, welche das Städtchen umgeben. Viel wusste ich vor meiner Reise nicht über Guatemala. Antigua, die einstige Hauptstadt des Landes hingegen war mir ein Begriff, ist dieser Ort doch bei Spanisch Lernenden sehr beliebt und einige meiner Freunde haben sich dort dem Studium der spanischen Sprache gewidmet. Diese Freunde waren auch überzeugt, dass mir Guatemala sehr gut gefallen würde. «Cristina, das ist genau dein Land, du wirst sehen». Guatemala eilt ein schlechter Ruf voraus und ich war gespannt, was mich erwarten würde.

Vorerst mal – kaum Touristen. Gut, wir waren im Monat September unterwegs, welcher zu den Tiefsaison-Monaten gehört. Aber dass wir fast allein unterwegs sein würden, hatte ich nicht erwartet. Auf dem Markt von Chichicastenango sind noch vereinzelt andere Touristen zu sehen, welche durch das farbenfrohe Gewühl an Marktständen schlendern. Dies erstaunt nicht, ist es doch der bekannteste Markt des Landes mit einem riesigen Angebot an Kunsthandwerk. Auf den einheimischen Märkten von Almolonga, Solola und Zunil hingegen, welche wir in den nächsten Tagen entdecken, sind kaum mehr Touristen zu sehen. Die Einheimischen sind traditionell gekleidet, die Verhandlungen werden in indigenen Sprachen geführt, von welchen es in Guatemala rund 53 gibt, 22 davon Maya-Sprachen. Wir spazieren durch das riesige Angebot an Gemüse, Radieschen, Rüebli, Kohl, Zwiebeln, in Hülle und Fülle, und in riesigen Ausmassen. Auch wir sind riesig im Vergleich zu den klein gewachsenen Guatemalteken und wirken wie Fremdkörper in diesem traditionellen Bild. Da hilft nur Lächeln – und es wird zurück gelächelt. Welch‘ schöne Erfahrungen.

Bevor es in den tropischen Nordosten des Landes geht, geniessen wir noch einige Tage am Atitlan-See, im kleinen, touristischen Zentrum Panajachel, kurz Pana genannt. Der See liegt auf rund 1’500m und bezaubert mit seinem einzigartigen Panorama. An seiner Südseite wird er von drei Vulkanen gerahmt, dem 3’000m hohen San Pedro, dem 3’085m hohen Tolimán und dem 3’480m hohen Atitlán. Frühmorgens verlassen wir das Hotelzimmer, begeben uns zum Bootssteg und geniessen den Sonnenaufgang in dieser traumhaften Kulisse. Eigentlich stelle ich ungern Vergleiche an. Als in Thun Wohnhafte jedoch denke ich bei diesem Ausblick einige Male an meinen Hausberg, den am Thunersee liegenden Niesen.

Dann Szenenwechsel. Ein kurzer Flug führt nach Flores, Ausgangspunkt für den Besuch der berühmten Mayastätte Tikal, welche sich inmitten des tropischen Regenwaldes des Peten befindet. Dieses archäologische Juwel zählt zu den wichtigsten und beeindruckendsten Maya-Stätten ganz Zentralamerikas und war ehemaliges Heim für über 100’000 Maya. Die Anlage ist sehr weitläufig und es gibt viel zu sehen. Über steile Holzleitern klettern wir hoch hinauf auf die verschiedenen Tempel und geniessen den atemberaubenden Ausblick über den unendlich scheinenden Regenwald, aus welchem die Spitzen der uralten Pyramiden über die dichte Vegetation herausragen. Am nächsten Tag besuchen wir Yaxha, eine wenig besuchte Ruinenstätte, am Ufer einer traumhaft schönen Lagune. Wir sind hier ganz alleine, nur wir beide und unser Reiseleiter. Was für ein Abschluss dieser unvergesslichen Reise durch Guatemala.

Beeindruckende Landschaft, traditionelle Märkte, majestätische Vulkane sowie mystische, im Regenwald verborgene Maya-Ruinen. Dazu eine liebenswerte Bevölkerung und kulinarische Leckerbissen – Guatemala hat mich begeistert!


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