Von Mondlandschaften und Rebbergen

Eigentlich sollte das Klima in Mendoza generell trocken, sonnig und gemässigt sein. Die idealen Bedingungen also für den Anbau von Argentiniens berühmtester Traubensorte, dem Malbec. Bei unserer Ankunft regnet es allerdings wie aus Eimern. Wir lassen uns davon unsere gute Laune nicht verderben und schreiben das schlechte Wetter dem Klima-Phänomen El Niño zu, ganz so wie es die Argentinier selbst auch tun. Trotz des garstigen Wetters besuchen wir eine der unzähligen «Bodegas» in der Region Mendoza und erweitern unser Wissen über den Weinanbau. Natürlich genehmigen wir uns auch das eine oder andere Schlückchen des roten Rebensafts.

Wir sind jedoch nicht primär wegen dem Wein nach Argentinien gereist, sondern wir fahren mit unserem Mietwagen von Mendoza, dem Hauptanbaugebiet des Malbec‘s nach Salta, eine Region, welche ursprünglich durch den Torrontés-Wein bekannt wurde. Vor uns liegen 1’300km Strasse, durch karge Wüsten- und bizarre Berglandschaften. Entlang der Ruta 40 und einsameren Nebenstrassen fahren wir also Richtung Norden, durch eine der unglaublichsten Landschaften Argentiniens und wir haben Glück: auch das Wetter zeigt sich je länger desto mehr von seiner schönen Seite.

Den ersten absoluten Höhepunkt erreichen wir in der Provinz San Juan, in der Nähe von Villa Union: das Naturreservat Ischigualasto, besser bekannt unter dem Namen Mondtal. Wie sich bald herausstellt, ist dies auch wirklich eine treffende Beschreibung! Zur Erkundung dieses UNESCO-Weltnaturerbes reihen wir uns mit dem Mietwagen in eine offizielle Karawane ein. Unterwegs gibt es einiges zu sehen und wir fühlen uns wie kleine Entdecker auf einem fernen Himmelskörper. Die Gesteinsformationen mit einfallsreichen Namen wie das U-Boot oder aber auch die «glattpolierten» Gesteinskugeln der «Cancha de Bochas» (Bocciabahn) sind wirklich eindrücklich und lassen den Betrachter staunen. Weiter geht unsere Fahrt zum nächsten Höhepunkt, welches für argentinische Verhältnisse nur einen Steinwurf entfernt liegt. Der Talampaya-Nationalpark im Südwesten der Provinz La Rioja beeindruckt mit senkrecht in den Himmel ragenden Felswänden. Petroglyphen bezeugen, dass in dieser kargen Landschaft bereits vor Urzeiten Menschen gesiedelt haben.
Auf unserem Weg Richtung Norden sind wir immer wieder erstaunt, wie wenige Autos wir unterwegs antreffen. Die Fahrt führt oft durch einsame und menschleere Gegenden, einen Umstand, den wir so aus der Schweiz nicht kennen. Schliesslich kündigen die vielen Rebberge in der Region Cafayate an, dass wir uns erneut in einem Zentrum des Weinbaus befinden. Hier sitzen wir in einem Café am lebhaften Hauptplatz, mit dem Wissen, dass unsere Reise bald zu Ende gehen wird.

Bevor wir allerdings unser liebgewonnenes Mietauto in Salta wieder abgeben müssen, erwartet uns nach Cafayate noch einmal eine der schönsten Strecken ganz Argentiniens. Bereits wenige Kilometer ausserhalb von Cafayate endet die asphaltierte Strasse und geht in eine Schotterpiste über, welche zuerst durch die Quebrada des las Flechas (Schlucht der Pfeile) führt. Spitz und schroff ragen hier die Felsen wie Pfeile gegen den Himmel. Unterwegs passieren wir immer wieder winzige Dörfchen, in denen die Bewohner tausende Zwiebeln und Chilischoten zum Trocknen ausgelegt haben.
Bei Payogasta verlassen wir die Ruta 40 und fahren durch den spektakulären Nationalpark Los Cardones. Hunderte von majestätischen Kandelaber-Kakteen wachsen auf dieser Hochebene, bis zu 12m hoch und ca. 250 Jahre alt kann diese Kakteenart werden. Immer höher windet sich die Strasse bis zur Piedra del Molino auf 3’348m, dem höchsten Punkt dieser Strecke. Durch die Schlucht von Escoipe kommen wir unserem Ziel Salta immer näher. Hier geht unser Mietwagen-Abenteuer nun definitiv zu Ende. Etwas wehmütig, aber mit einem Rucksack voller Erinnerungen und Eindrücke, verabschieden wir uns von Argentinien. Bis zum nächsten Mal!

Reiseempfehlungen

Rundreise «Ein Meer an Farben»
16 Tage ab Mendoza bis Salta

Mietwagenrundreise «Im Reich der Kakteen»
8 Tage ab Tafi del Valle bis Salta